My collection #07 – Raleigh SB6257

Nun wird es einmal wieder Zeit, die Reihe „My Collection“ fortzusetzen. In den letzten Monaten hat sich in meiner Sammlung einiges getan. Ich habe mich ja bereits vor ein paar Jahren dazu entschieden, etwas Struktur in die Sammlung zu bringen und mich ausschließlich auf englische Rahmenbauer zu konzentrieren. Nach und nach werde ich auch die „Fehlfarben“ aus der Sammlung verkaufen.

Unter den englischen Rädern bildet die Marke Raleigh einen Schwerpunkt. Vielleicht liegt es daran, dass ich Ende der achtziger als mein zweites Rennrad ein Raleigh Elan gekauft, es bis heute gepflegt und über die Jahre immer wieder einen Blick auf diese Marke geworfen habe. Zwar ist Raleigh ein Massen-Hersteller und hat sich über die Jahre viele Marken einverleibt, dennoch gibt es spannende Rahmen, über die es zu berichten gilt.

Eine Besonderheit bildet die Gründung der Specialist Bicycle Development Unit kurz SBDU, die von Raleigh gegründet wurde, um hochwertige Räder zu produzieren und damit auch in den Profi-Radsport einzusteigen. Bekanntestes Team war wohl in das TI Raleigh Team, unter Peter Post zu waren Größe gebracht. Aber dazu ein anderer Stelle mehr.

Heute soll es um eines der letzten Zuwächse meiner Sammlung gehen, ein SBDU – Rahmen aus dem Jahr 1983, zu einer Zeit, als die Specialist Bicycle Development Unit nicht nur Räder für Profis und Semiprofis anbot, sondern auch hochpreisige Rahmen für Radsportbegeisterte.

Vielleicht noch 2 / 3 Worte zur Specialist Bicycle Development Unit. Raleigh war ein Massenhersteller. Aber bereits durch die Übernahme von Carlton Bikes, die als kleiner Hersteller für Radprofis interessant waren, übernahm Raleigh Mitarbeiter, die das Handwerk des Rahmenbaues exzellent verstanden. Bereits Reg Harris gab in den Fünfzigern den Anstoß, sich dem hochwertigen Profi-Radsport zu widmen. Mit Carlton wurde ein Familienmitglied der ehemaligen Eigentümerfamilie übernommen, Gerald O’Donovan. Und Gerald Donovan sollte es sein, der 1976 mit der Leitung der Specialist Bicycle Development Unit in Ikeston beauftragt wurde.

Im Gegensatz zu den Rahmen-Nummerierungen der Raleighs aus der Massenproduktion sind die Rahmennummern aus Ikeston nicht so genau zu zu ordnen. Die detailliertesten Aussagen aufgrund mittlerweile exzellenter Kenntnisse von SBDU-Rädern hat wohl Neil McGowan auf seiner Seite Denton-Cycles. Aufgrund seiner Aufzeichnungen kann mein Rahmen auf das Ende des Jahres 1983 datiert werden. Zu dieser Zeit wurden die SBDU-Rahmen als reine Rahmen zum individuellen Aufbau im Raleigh-Katalog angeboten.

Da ich vom Verkäufer nicht nur ein hervorragendes Rad übernommen habe, sondern auch die Original-Rechnung mitbekommen habe, kann ich sagen, dass mein Rahmen von einem Händler in München aufgebaut wurde und dem Kunden am 6.7.1984 übergeben wurde. Konrad Altmann in München hat das Rad mit überwiegend Shimano Dura Ace AX Komponenten aufgebaut. Der Verkäufer versicherte mir, dass er es in dem mir übergebenen Zustand vom Erstbesitzer übernommen hatte. Das Rad kostete damals fertig aufgebaut 2.868 DM, ein stolzer Preis, wenn ich bedenke, dass mein erstes Monatsgehalt Anfang der 90er als Ingenieur nur knapp darüber lag.

Das Rad ist in einem wunderschönen Dunkelblau lackiert und weist eine Sattelrohrlänge C – C von 55 cm auf. Die Oberrohlänge horizontal gemessen beträgt ebenfalls 55 cm. Der Rahmen ist somit hervorragend für mich geeignet. 

Gefertigt ist der Rahmen aus Reynolds 531 Professionel Rohrsatz. Es handelt sich dabei um den leichtesten Rohrsatz in der 531 Serie von Reynolds. Ich möchte an dieser Stelle noch bemerken, dass ich die Sammlung meiner englischen Räder weitgehend eingeschränkt habe auf Räder, die mit Reynolds Rohrsätzen gefertigt wurden. Mittlerweile besitze ich alleine von Raleigh Räder mit den Rohrsätzen 501, 531, 531C, 533 Professionel, 653, 753 und 853. Das Raleigh Elan aus Reynolds 501 habe ich ja bereits vorgestellt.

Schaltung und Kurbelsatz sind Dura Ace AX, wie auch die Sattelstütze. Auch die Bremsen sind durchgängig Shimano Dura Ace AX. Lediglich der Steuersatz aus der Serie Shimano 600 und die Schalthebel aus der Serie Shimano Golden Arrow weichen von der sonst durchgehalten Einheitlichkeit ab. Die Laufräder baute Altmann aus Mavic GP 4 und Pelissier 2000 Narben. Vorbau und Lenker wählte er von Cinelli.

Ob Altmann seinerzeit seinem Kunden auch zu den Original Dura Ace AX Pedalen geraten hat oder bereits die bei der Übergabe vorhandenen Adapter zur Verwendung des normalen Pedal Gewinnes montiert hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Ich habe sie jedoch entfernt und die Original Dura Ace Pedalen montiert. Leider sind die Hoods der Bremsgriffe absolute Mangelware. Der Vorbesitzer hatte andere Shimano montiert, mit denen sich das Rad zwar gut fahren lässt die aber nicht passgenau für diese Bremsen sind. Die bei mir vorhandenen Nachbauten aus Polen hatten jedoch eine dermaßen schlechte Qualität, dass ich sie eigentlich schon beim Erhalt entsorgen wollte. Als ich nun versuchte, die Hoods montieren, rissen sie sofort ein. Es bleibt also nur irgendwann das Glück zu haben, entweder qualitativ hochwertige Nachfertigungen oder hervorragend erhaltene Originale zu finden.

Getauscht wurde von mir noch das Lenkerwand und die Lenkerendstopfen sowie die Bowdenzüge.

Sowohl auf der Seite von Neil McGowan, wie auch im Buch von Tony Hadland, „Raleigh – Past and Present of an Iconic Bicycle Brand“ werden im Kapitel über die Specialist Bicycle Development Unit die unterschiedlichen Bauteile detailliert geschrieben. Es wurden eine Vielzahl von Muffen, Gabelbrücken und Anschlüssen der Sattelstreben verwendet

Mittlerweile besitze ich noch drei weitere SDU Rahmen, die sich noch im Aufbau befinden. Sie werden in weiteren Kapiteln beschrieben werden.

Bleibt noch festzuhalten, das das SB 6257 in einem hervorgegangen Erhaltungszustand von mir übernommen wurde, was darauf hinweist, dass es von den Vorbesitzern entsprechend seiner Qualität immer sorgfältig behandelt wurde.

Insbesondere bei den SBDU-Rahmen der 80er konnte ich feststellen, dass es immer einen Wechsel zwischen dem metallischen Steuerkopfschild und einem Aufkleber auf dem Steuerrohr mit dem Raleigh Signet gab. Mein Rad hat ein metallisch Steuerschild und den Aufkleber mit dem Raleigh Design am Sitzrohr. Eine Logik, wann Aufkleber und wann Steuerschild verwandt wurden, konnte ich weder auf der Seite von McGowran noch im Buch von Hadland feststellen.

Unter den jüngeren Rädern ist es eines der schönsten in meiner Sammlung – noch, denn ihr kennt ja die Formel der Fahrradsammler: n+1.

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