Eigentlich sollte unsere Radtour entlang der Unstrut erst morgen beginnen. Für den heutigen Tag hatten wir uns eine entspannte Anreise mit der Deutschen Bahn vorgestellt. Von Osnabrück ging es mit der Regionalbahn nach Hannover, bequeme Umstiegszeiten auf den ICE nach Kassel-Wilhelmshöhe und dann noch einmal ein schneller Umstieg auf eine Regionalbahn. So war es geplant. Es kam jedoch anders. Bis Kassel ging alles gut und als wir uns in die Regionalbahn hinein gequetscht hatten mit unseren beiden Rädern kam ein etwas unfreundlicher Mitarbeiter in rotem Livre mit der sehr freundlichen Aufforderung „Räder wieder raus“. Ich schaute ihn etwas verdutzt an und erhielt nur die Wiederholung der drei Worte „Räder wieder raus“. Sollte ich daraus schließen, dass zwar die Räder wieder raus mussten, aber ich hätte mitfahren können und er freundlicherweise mein Rad dann in den nächsten Zug stellt? Oder mussten wir auch auf die Reise verzichten, wenn unsere Räder nicht mit diesem Zug fahren durften. Er hätte natürlich sagen können, es tut mir leid, das Fahrradabteil ist vorne und bereits übervoll, deshalb können Sie nicht mehr mitfahren. Er hätte auch einen Tipp geben können, wann die nächste Regionalbahn in die gleiche Richtung fährt aber sein Vokabular gab nur her: „Räder wieder raus“.
Als wir uns auf dem Bahnsteig umsahen, musste wir feststellen, dass dort schon circa 10-12 Personen mit Rädern warteten und anscheinend in die gleiche Richtung wollten, die auch wir für unsere Reise eingeplant hatten. Da dieser Regionalzug nur alle 2 Stunden fährt, war klar, dass wir vor dem späten Nachmittag unsere Reise mit der Deutschen Bahn sicherlich nicht fortsetzen würden. Also kurzerhand umentschieden, denn wir wollten ja sowieso eine Rad-Tour machen. Also nahmen wir die Strecke zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Heiligenstadt sozusagen als Pre Opening unserer Fahrradtour.

Pünktlich zum verlassen des Vordaches des Bahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe begann es zu regnen. Immerhin ging es hauptsächlich abwärts durch ein graues Kassel auf vierspurigen Straßen, meist ohne Radweg und wenn einer vorhanden war, doch in einer Dimension, die man heute nicht mehr als einen solchen bezeichnet.
Als wir die Stadt Kassel hinter uns ließen, wurde auch der Regen stärker. Noch ein kurzes Stück. nach der Querung der Fulda blieb die Strecke eben. Aber der sich schon Abzeichnende Höhenrücken des Kaufungerwaldes ließ erahnen, dass es mit dem lockeren dahinrollen bald vorüber sein wird. Begann die ersten Steigung noch ganz harmlos. schloss sich eine Kilometer lange kontinuierliche Steigung an. Von Vorteil war jedoch, dass auf dieser Strecke wenig Autoverkehr herrschte. Lag es daran, dass wir uns Richtung Osten aufgemacht hatten oder war den Automobilisten das Wetter zu schlecht, um ihre Edelkarosse aus dem Stall zu holen?

Die Strecke zog sich, die Steigung variierten, bis wir dann bei Umschwang den höchsten Punkt der Strecke erreicht hatten. Einsichtige Tourismus-Experten hatten dort eine Schutzhütte aufgestellt.

Der Regen ließ nach, allerdings erst einmal nur um anscheinend abzuwarten, ob wir aus der Hütte auch wieder hervorkommen. Kaum saßen wir auf dem Rad schien er an Intensität wieder etwas zu steigern. Entschädigt wurden wir jedoch durch eine etwa 10 km lange Abfahrt, in der richtig Strecke gut gemacht werden konnte. Witzenhausen kam näher und damit unsere spontan eingeplante Mittagspause in der schönen Fachwerkstadt. Kurz vorher kreuzten wir noch die ehemalige Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten, die heute durch ein großes Schil markiert werden muss, da sie sonst nicht mehr erkennbar ist.



Langsam schien der Regen keine Lust mehr haben, uns zu ärgern und je näher wir unseren Tagesziel, kamen wurde das Wetter besser, einzelne blaue Himmelsflecken ließen sich sehen und ein wenig blinzelte auf den letzten Kilometern schon die Sonne kurz bevor wir das Frau Holle Land verließen. Sollte sie es gewesen sein, die aufgrund der Temperaturen von Schnee auf Regen umgestiegen ist, um einen Ganzjahres-Job zu haben? Egal, je näher wir Heiligenstadt kamen, wurde die Topographie flacher. Der Bundesstraße wurde ein gut zu befahrender Fahrradweg zur Seite gestellt, der oftmals ein gutes Stück von den rasenden Benzinkutschen entfernt war. Nachdem wir kurz hinter Stadtbreite Werra gefolgt waren, ging es nun durch das schöne Leinetal. Somit wurde aus der Unstrut-Radtour inzwischen eine Werra – Leine – Unstrut-Radtour.


Wo nun endlich das Gasthaus zum Lahmen Frosch sein sollte, haben wir auch nach dem vierten Hinweis nicht wirklich herausbekommen.
Die letzten Kilometer vor Heiligenstadt ging es gemächlich dahin und auch die unterschiedlichen Meinungen zwischen Beschilderung und den beiden Navis, wie wir nun am besten auf dem Rad zu unserem Hotel kommen sollten, haben wir letztendlich gemeistert. Allerdings war dazu die freundliche Hilfe eines Einheimischen nötig, indem er uns auf eine unscheinbare Sackgasse hinwies, die uns auf unseren Rädern direkt vors Hotel führen sollte. Hier gab es mittlerweile nur den Wunsch auf folgende Reihenfolge: eine Dusche, ein Kaltgetränk und anschließend ein gutes Abendessen.
Morgen also beginnt nun endlich die eigentliche Unstrut
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