Wie schon beschrieben, habe ich mich mit meiner Sammelleidenschaft vor einiger Zeit auf englische Räder beschränkt. Irgendwie blieb ich auch immer wieder an der Marke Raleigh hängen und damit auch diese Spezialgebiet nicht zu breit wird, habe ich eine weitere mehr oder weniger scharfe Leitplanke eingefügt: die Rahmen sollten aus Reynolds-Rohren bestehen.
Nach meinem ersten Raleigh Elan aus Reynolds 501, einigen Rädern und Rahmen der unterschiedlichen 531 Baureihen, einem Raleigh Road Ace Modern aus 653 und einem SBDU-Rahmen aus Reynolds 753 fehlte nur noch ein Rahmen oder Rad aus dem Rohrsatz 853.
Vor längerer Zeit schon hatte ich unter Kleinanzeigen einen solchen Rahmen bei einem niederländischen Verkäufer gesehen, konnte mich seinerzeit aber nicht entscheiden.

Anfang des Jahres tauchte nun dieser rote Raleigh-Rahmen im Rennrad-Forum auf. Ein Forist stellte ihn vor und diskutierte, wie man ihn denn aufbauen würden. Ich habe dann zaghaft nachgefragt, ob er ihn nicht vielleicht doch veräußern wolle, bevor er sich die Arbeit mit dem Aufbau macht, womit ich ihn aber nicht überzeugen konnte. Es verging einige Zeit, der fertige Aufbau sah hervorragend aus. Ich trauerte der Gelegenheit nach, seiner Zeit nicht bei den Kleinanzeigen zugeschlagen zu haben.



Doch eines Morgens im Februar erhielt ich ein freundliche Nachricht. Der nette Kollege hatte das Rad aufgebaut und ausgiebig Probe gefahren. Er war zu der Überzeugung gekommen, dass die Rahmengeometrie doch nicht so recht zu ihm passe, ob ich denn immer noch Interesse an dem Rad hätte. Wir wurden uns relativ schnell einig und es musste nur noch geklärt werden wie das Rad aus dem Süddeutschen zu mir nach Norddeutschland kommen sollte. Da war es günstig, dass man Sohn zu diesem Zeitpunkt noch in Tübingen studierte und der Verkäufer eine Fahrt nach Tübingen mit privaten Interessen kombinieren konnte. Somit bin ich seit dem Frühjahr stolzer Besitzer eines ganz besonderen Raleigh aus Reynolds 853.

Die Gravuren unter dem Tretlager besagen, dass dieser Rahmen von den niederländischen Profi John van den Akker gefahren wurde.




John van den Akker war Straßenradsportler. Als Amateur gewann er 1986 die Ronde van Midden-Nederland sowie eine Etappe der Tour de Wallonie und 1987 eine Etappe der Olympia’s Tour.
1988 wurde er Berufsfahrer im Radsportteam Roland und blieb bis 1997 als Radprofi aktiv. Danach fuhr er wieder als Amateur. 1997 gewann er die Limburg-Rundfahrt. Er gewann Etappen im Étoile de Bessèges (1990), in der Vuelta Ciclista a Murcia (1990), in der Olympia’s Tour (1997 und 1998), im Commonwealth Bank Classic 1997 und in der Tarragona-Rundfahrt 1999. In der Luxemburg-Rundfahrt 1992 wurde er hinter Jean-Philippe Dojwa Zweiter.

In der Tour de France 1993 wurde er 80. In der Vuelta a España wurde er 1990 110. und 1991 91. des Gesamtklassements. Bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften 1993 kam er auf den 58. Platz im Profirennen.


Da sich der Rahmen in einem hervorragenden Zustand befindet, ist davon auszugehen, dass es sich um ein Reserverad handelte.
Im Jahr 1997 fuhr van den Acker für das niederländische Team „Foreldorado-Golff“
„Golff“ war eine niederländische Supermarktkette, die 2013 endgültig schloss. Sie hat nach bisherigen Erkenntnissen zwischen 1994 bis 1997, teilweise mit Co-Sponsoren niederländische Rennteams gesponsert. In den Jahren 1994 und 1995 war anscheinend „Golff“ der Hauptsponsor; 1994 allein und 1995 mit „Uni Kaas“ gemeinsam. Cyclingarchives.com gibt für 1995 an, dass das Team Zullo-Räder fährt, im Netz findet man jedoch Abbildungen auf denen das Team mit Gazelle Rädern ausgestattet ist. Die Trikots weisen die Golff- und Unie Kaas-Logos auf.
Bereits 1995 tritt ein zweiter Sponsor auf: Die Forellenzucht mit Freizeitpark „Foreldorado“. Im Jahr 1996 dann bildet sich das Team Foreldorado-Golff unter dem Team-Manager Frits Schür. Es gibt in diesem Jahr zwei Teams Foreldorado-Golff, ein unter dem UCI-Code FOR geführtes Category 1 Team und ein Category Nat Team. Beide Teams fuhren Gazelle in auffälligen Lackierungen aus Gelb, Grün und Orange. Im Jahr 1997 stattete Raleigh das Team mit Rädern aus. Sie sind aus Reynolds 853 Rohrsätzen gefertigt.
853-Stahl ist Reynolds‘ Premium-Stahl. 853 ist bekannt für die Herstellung von leichten, steifen und dennoch biegsamen Rahmen und die Wahl des Rahmenbauers, wenn nur das Beste gut genug ist. 853 ist ein lufthärtender Stahl. Die Vorteile davon sind besonders im Schweißbereich spürbar, wo im Gegensatz zu herkömmlichen Stahllegierungen die Festigkeit nach dem Abkühlen an der Luft unmittelbar nach dem Schweißen tatsächlich zunehmen kann. 853 wird wärmebehandelt, um eine hohe Festigkeit und Schadensresistenz zu erreichen, und die Stahleigenschaften ermöglichen die Verwendung dünner Wände, sodass leichtere, aber ermüdungsbeständige Strukturen hergestellt werden können.
Das Rad mit der Rahmennummer SG1049 ist nahezu durchgängig mit Shimano Dura Ace 7700 Komponenten ausgestattet und läuft auf Mavic CXP 33 Laufrädern mit Challenge Paris-Roubaix TLR 27mm Bereifung. Leider sind Details zu der ursprünglichen Ausstattung im Netzt nicht zu finden und auf den Fotos des Teams nicht deutlich erkennbar. Ich denke, der Vorbesitzer hat eine gute und zeitgemäße Ausstattung gefunden.
Eine Kleine Anekdote ergab sich auf eine der letzten Veranstaltungen meiner beruflichen Tätigkeit in einem Arbeitskreis in den Niederlanden. Ich stand mit dem Bürgermeister der Gemeinde Berkelland, Joost van Oostrum zusammen, selbst ein begeisterter Rennradfahrer und Sammler und berichtete von dem Raleigh 853 des John van den Akker. Er schaute mich verblüfft an und meinte, der sei ein Freund von ihm. Mal sehen, ob sich daraus eine Gelegenheit ergibt, mehr über das Team und das Rad zu erfahren.
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