Walden – oder fuhr Thoreau Fahrrad

Summary: Walden is a new outdoor magazine from GEO. The current issue concerned with the theme cycling and is also interesting for bike lovers who prefer a soft bed.

 

Henry David Thoreau zog für zwei Jahre an den See Walden Pond in den Wäldern Massachusetts und schrieb über sein Outdoor-Leben. Das war 1845. In vormarxistischer Zeit war das Buch in vielen Arbeiterhaushalten zu finden und später beeinflusste es die Naturschutzbewegung ebenso wie die 98er-Generation. Seit Wochen liegt das Buch auf meinem Büchertisch und wartet auf ein ruhiges Wochenende.

Auf der letzten Bahnfahrt viel mir das Magazin Walden aus dem Hause Geo in die Hände. Das Titelblatt zog mich mit der Schlagzeile „Auf die Kette, fertig, los“ an. Ein Outdoor-Magazin über Fahrradfahren? Titelbild, Schlagzeile und das Papier veranlassten mich zum Kauf. Für mich ist, so unsinnig wie es vielleicht klingt, auch die Haptik einer Zeitschrift wichtig. Und natürlich die Fotos und Grafik. Ich bin ein visueller Mensch. Deshalb wird eine Zeitschrift auch erst durchgeblättert und dann manchmal von hinten gelesen.

Walden wurde von mir von vorn nach hinten gelesen (selektiv, erstmal die Fahrradartikel). Unterschiedlich intensiv aber ganz. Es scheint im Trend zu liegen Malerei zur Illustration anstelle von Fotos zu wählen. Die Bilder von James Coates, die noch die Leinwandstruktur erkennen lassen, passen zu den Typen die dargestellt werden. Im Bericht voll im Tritt beschreiben vier Männer ihre Räder und Radliebhabereien. Vier Typen, so unterschiedlich wie ihre Räder. Sie bilden einen Teil der Radvielfalt ab. Aber vier Typen eben; keine Frau? Dabei lebt die Radszene doch von beiden Geschlechtern.
Im Artikel „Lost Places“ gibt zumindest die Frau die Idee vor, eine Tour zu den vergessenen Orten Brandenburgs vor. Zu dritt radeln Dani, Reinier und Kevin zu den Orten in Brandenburg, die von der Wiedervereinigung vergessen wurden. Lost Places oder Urban Exploring; welche Titel man diesen Orten und die Wiederentdeckung auch geben mag, die Orte, die von den Menschen aufgegeben wurden, die sich die Natur nun nach und nach zurückerobert sind auch für mich ein spannendes Thema. Gilt normalerweise unter urban Explorern der Ehrencodex nichts zu verändern und die Locations auch nicht auf den Fotos oder in Berichten bestimmbar zu beschreiben, wird hier die Strecke zum nachradeln beschrieben. Auch in der Aufzählung der Lost Places in Deutschland ist die Beschreibung so detailliert, dass der zuvor beschworene Code ad absurdum geführt wird. Bei einer Zeitschrift mit einer Auflage von 25.000 verkauften Exemplaren gilt die Titelzeile „Geheimtipp“ bei manchen Orten nur noch für den Drucker, danach ist es vorbei mit „geheim“. Die Fotos hätten ihre Faszination auch ohne Ortsangabe nicht eingebüßt. Doch macht der Artikel Lust mit Bike und Kamera im nahenden Frühjahr los zu ziehen, zu den mir bekannten vergessenen Orten. Zwischen den Artikeln kleine News zu Buchneuerscheinungen und anderen bike-short-tips.

Artikel zu Schlittentouren und Bullitrips überblättere ich erstmal. Die Brüder Daniel und Benjamin werden auf ihrer Tour von Wien nach Venedig begleitet. Wie auch die Tour zu den Lost Places legen die beiden keinen Wert auf Schlafkomfort sondern übernachten wo es gerade passt.

Den Abschluss bildet die Story über ein Bomberdrome. Menschen in meinem Alter kennen noch die Holztrichter, in denen zu meiner Kinderzeit Motorradfahrer ihre Runden drehten und Akrobatik auf dem Sattel betrieben. In der Regel waren hier Frauen „nur“ schmückendes Beiwerk und durften eventuell mal auf dem Sozius stehen. Das hier beschriebene Bomberdrome wurde von Radfreaks in England zusammengebaut und tourte fünf Jahre über Fahrradfestivals. Jetzt soll es verkauft werden. Es würde ja schon reizen, es auszuprobieren aber dafür ist der Aufwand dann doch etwas zu groß.

Fazit: Ein schönes Themenheft zu Outdoor-Bike-Touren die sicher auch so Komfortschläfern wie mir Spaß beim Lesen machen. Und den Thoreau kann man sicher auch hervorragend in einem gemütlichen Hotelbett in Brandenburg oder zwischen Wien und Venedig lesen.

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