Bike in Art

Im letzten Jahr habe ich meinen Blog sehr stiefmütterlich behandelt. Da habe ich jetzt einiges nachzuholen. Auch wenn ich wenig hier geschrieben habe, war ich nicht untätig und so möchte ich heute im Rückblick über zwei Ausstellungen zum Thema Fahrrad berichten, die ich schon im Sommer des letzten Jahres besuchen konnte.

In Bremen fand vom 24. Juli bis 18. September die Ausstellung Bike in Head statt. Und ein paar Tage später konnte ich in Wilhelmshaven die Ausstellung Cyclophilia besuchen.

Basis dieser beiden Ausstellungen war eine Ausstellung in der Stadt Delmenhorst mit dem Namen Fahrrad Körper. Dazu erschien ein kleiner, aber sehr informativer und mit Berichten und Interviews, ergänzte Katalog. Aber von Anfang an. 1912 besuchte Duchamp gemeinsam mit Brancusi die Weltausstellung in Paris. Er war fasziniert von den dort ausgestellten Objekten wie Flugzeugen und anderen technischen Geräten und Objekten. Die Schönheit eines Flugzeugpropellers soll ihn zu der Aussage veranlasst haben, dass die Malerei tot sei, weil dieser Propeller in Harmonie und Wirkung des Objektes diese weit übertreffe. Zu dem ausgestellten Flugzeug gehörten Fahrradreifen. Angeblich haben diese Marcel Duchamp zu seinem ersten Readymade inspiriert. Dieses besteht aus einer Fahrradgabel mit einem Laufrad, dass umgekehrt auf einen Holzhocker montiert ist. Immer wieder haben Fahrräder, Fahrradrennen und die Fahrer:innen die Kunst inspiriert.

Die städtische Galerie Bremen liegt direkt an der Weser und bot damit die Möglichkeit, die Ausstellung Bike in Head direkt vom Weserradweg erfahrbar zu machen. Über eine Rampe konnte der Besucher mit seinem Rat direkt in die Ausstellunghallen hineinradeln und die künstlerische Umsetzung des Themas im direkten Dialog mit seinem eigenen Rad an der Hand erleben. In Bremen sind künstlerische Positionen versammelt, die sich mit der Bedeutung des Fahrrades in unserer Gesellschaft befassen. Die ökologischen Herausforderungen, die Verkehrswende, individuelle Mobilität und neue Technologien wie auch als Statussymbol beschäftigen die Ausstellungsmacher und die Künstler. So setzt sich zum Beispiel der Künstler Hannes Langeder mit seinem „Fahrradi“ mit dem Thema Statussymbol direkt auseinander. In einer GfK Hülle, die dem italienischen Sportwagen nachempfunden ist, ist eine leichte Rahmenkonstruktion untergebracht, in dem der Fahrer bequem sitzen und den Pedalmechanismus bedienen kann. Reicht es also, sich in der Form eines eleganten Sportwagens fort zu bewegen, um seinen Statusbedürfnis zu befriedigen? Sind ihre Geräusche eines rührenden Motors über Lautsprecher ausreichend oder braucht es auch die Vibrationen im Fahrzeug? Kann durch diese künstlerische Interpretation den ökologischen Notwendigkeiten nach einer Veränderung der Mobilität Rechnung getragen werden und gleichzeitig der Drang nach „Ich bin etwas besonderes“ befriedigt werden? In diesem Kunstwerk kann jeder seine Antwort auf diese Fragen finden. Auf zwei Ebenen sind in der städtischen Galerie, die unterschiedlichsten Interpretationen und der Umgang mit dem Thema Fahrrad in einem breiten künstlerischen Spektrum zu sehen. So baut der Künstler Wolfgang Zach Fahrradskulpturen, die erst beim zweiten Blick erkennen lassen, dass sie nicht nutzbar sind. Der Betrachter überlegt, ob sie nicht doch der Fortbewegung dienen könnten. Mit traditionellen Tusche Zeichnungen, die immer um das Radfahren kreisen, wirft der japanische Künstler Kosuke Masuda uns in kleinen, schnell dahin geworfenen Bildern das Thema Fahrrad vor und bringt uns gleichzeitig in eine Ruhe, die an leicht dahingleitende Fahrradbewegung erinnert.

Mit verschiedenen künstlerischen Mitteln wird das Fahrrad mal als Topmodel aber mal auch als etwas vergängliches dargestellt, wenn der Künstler Aram Bartholl aus der Spree gezogene Relikte in die Halle der städtischen Galerie holt. So schließt sich ein Kreis ambivalenter und merkwürdige Betrachtungen, die wir zu diesem über 200 Jahre alten Gefährt haben.

Ein paar Tage später konnten wir die weitere Ausstellung Cyclophelia, das Fahrrad in Kunst und Musik in der Kunsthalle Wilhelmshaven besuchen. Hier lag der Schwerpunkt auf der Kombination des Fahrrades mit der Musik, d.h. wie Künstler dieses Fortbewegungsmittel oder Teile dessen benutzen, um daraus Klanginstrumente zu machen. Auch diese Ausstellung entstand in Kooperation mit der städtischen Galerie Delmenhorst, die wie schon erwähnt, den Startpunkt dieser Ausstellungsreihe setzte. Insbesondere kinetische und zu Musikinstrumenten umgebaut Fahrräder, Skulpturen und Videoarbeiten, bildeten hier die Ausstellungsstücke.

Beide Ausstellungen zusammen zeigten ein breites Spektrum der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Fahrrad, unserem Verhältnis zur Mobilität im Zeitraum des Wandels der Mobilität.

Summary

In the summer of 2022 I was able to visit two exhibitions on the subject of bicycles in Bremen and Wilhelmshaven. The artists‘ examination of the topic of mobility, status symbol, traffic turnaround, and dealing with everyday objects was artistically conducted in a broad spectrum. A link was drawn from the first ready-made from Marcel Duchamp in 1913 to how the more than 200-year-old means of transport is used today.

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