Ein Mittag in Münster

Bis zum Termin bleibt noch eine Stunde Zeit. Eine gute Gelegenheit kurz beim Brompton-Händler meines Vertrauens vorbei zu schauen und ein paar positive und eventuell auch negative Beispiele an Radinfrastruktur der heimlichen Fahrradhauptstadt zu befahren.

Es beginnt schon mal gut mit der Radstation direkt vor dem neuen Haupteingang des Bahnhofs Münster. Der Glasbau beherbergt 3.300 Stellplätze. Dass diese den Bedarf bei weitem nicht decken, wird einem spätestens in den benachbarten Straßen bewusst. Die zahlreichen Fahrradstellplätze sind zum Bersten voll. Teile der Fußgängerzone sind übrigens für Fahrradfahrer freigegeben.

Das dennoch die Stadt dem Radfahrer den roten Teppich ausrollt könnte man aus der Installation am Museum für Lackkunst interpretieren. Ob das durchgängig so ist, will ich heute und bei weiteren Besuchen sehen. Erst lockt es mich jedoch zum Servatiplatz.

Drahtesel ist immer das nächste Ziel vom Bahnhof. Eigentlich war der Zwischenstopp nicht wirklich nötig. Das Brompton läuft wie ein Uhrwerk und auch beim Zubehör besteht nicht wirklich Bedarf. Aber vielleicht kann ich ja einen Blick auf neue Brompton-Modelle werfen. Interessieren würde mich ja das Brompton chpt3. Leider war jedoch dieser Wunsch selbst bei diesem, sonst gut sortierten Brompton-Dealer nicht erfüllbar. Blicke auf das normale Programm gerne, eine Probefahrt mit dem Titan des Werkstattmeisters auch gerne um wenigstens das feeling ein wenig nachvollziehen zu können aber leider keine visuelle Befriedigung. Schnell noch das Drahtesel-Magazin eingesteckt. Diesmal mit Daniel Brühl auf dem Titel der verkünden lässt das er auf Schindelhauer (ab-)fährt.

Also auf zu  den münsteraner Punkten der Radinfrastruktur. Der Wind hat zugenommen und leider der Regen auch. Eigentlich also das richtige Wetter für das Foldingbike aus England. Wird sich wohl die Anzahl der Neuanschaffungen nach dem Brexit ändern? Werden sie teurer? Fragen, die mich im Augenblick nicht berühren. Zuerst ein Stück über die Wallpromenade, Münsters Vorzeigestrecke für Radverkehr.  Es ist natürlich ein absoluter Glücksfall, dass dieser Ring um die Innenstadt nicht dem Auto geopfert wurde. Der Bereich zwischen den alten Allee-Bäumen ist zu schmal für den Autoverkehr aber gerade richtig für einen Zweirichtungsradweg. Und damit man unter sich ist, sind Bromfietsers ausgeschlossen. Die Stadt Münster zählt schon seit längerem nicht nur auf der Wallpromenade die Fahrradnutzer. An der Hammer Straße und am Neutor wurden in diesem Jahr die 1.000.000 Radfahrer geknackt. „Unser städtisches Verkehrssystem funktioniert nur, weil so viele Menschen in Münster umweltfreundlich unterwegs sind“ sagte Robin Denstorff, Stadtbaurat der Stadt Münster anlässlich der Überschreitung der Millionenmarke an einer Zählstelle. Die Promenade werden wohl in diesem Jahr 5 Millionen Radfahrer passieren, vermutet er weiter (mehr s. )

Dass diese Zählstellen nicht nur nettes Beiwerk sind, wird in der Presseerklärung ebenfalls ausgeführt. Sie bilden in Verbindung mit der Auswertung anderer Routendaten die wichtige Basis für die Radverkehrspläne in den Städten. (Zur Frage Daten und Radverkehr s. auch den blogbeitrag über Randelhof).

Der Regen wird intensiver und kommt dafür waagerechter. Ich habe erst ein Viertel der Wallpromenade befahren, die Fahrradfahrer, die mir heute entgegenkommen, werden nicht den Löwenanteil zu den 5 Millionen bilden. Da ich nicht zum ersten Mal diesen Weg nehme, kommt an der nächsten Abzweigung ins Kreuzviertel der innere Schweinehund durch. Die Verlockung im Kreuzviertel ein nettes Café aufzusuchen wird zu groß. Zwei, drei Straßen durch das angesagte Viertel auf denen dann auch ein paar negative Beispiele in Form von Aufpflasterungen der 80-er Jahre auftauchen, die mich ordentlich durchschütteln (für Fotos ist es einfach zu nass) und schon bin ich an der „Eßbar“. Ein gemütliches Eckcafé. Die hohen Fenster ziehen einen in das Einraumlokal. An den kleinen Bistrotischen muss man sich um die Mittagszeit seinen Platz schon suchen. Der hohe Raum weist wunderschöne alte Fliesen auf und lässt auf eine ehemalige Bäckerei oder Fleischerei schliessen. Wie abgesprochen kommt für jeden freiwerdenden Platz gleich wieder ein neuer Gast herein. Jeden Mittag werden zwei Gerichte angeboten, davon eines vegetarisch. Heute muss ich die guten Düfte nur an mir vorüberziehen lassen, da ich noch zum Essen verabredet bin. Aber der gute Kaffee unterstützt die Zwischentrocknung und nährt die Hoffnung auf weniger Regen für die Rückfahrt zum Termin.

Noch ein kurzes Gespräch mit der freundlichen Bedienung und dann müssen mein Brompton und  ich aber endgültig wieder raus in den Regen um rechtzeitig beim Termin zu sein. Da der schnellste Weg mich auf der gleichen Route zurückführt,  gibt es wenig erhellendes zur Radinfrastruktur (was mir als Brillenträger bei dem Regen wohl eh nicht mehr sichtbar geworden wäre). Also ist ein neuer Termin für Münster und seine Radinfrastruktur bei vorherigem Blick aufs Regenradar.

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