Fahrradfreundliche Kommune

Auf der Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen / Bremen e.V. wurde am 30.11.2018 auch der Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ des Landes Niedersachsen durch den neuen Wirtschaftsminister des Landes, Bernd Althusmann, verliehen. Neben den Städten Lingen und Hameln erhielt auch die Stadt Osnabrück in diesem Jahr das Zertifikat. Der Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ wird für 5 Jahre verliehen. Danach muss die Kommune sich erneut zertifizieren lassen und belegen, dass sie den Prozeß fortgeführt hat und die Entwicklungen darstellen. Der Zertifizierung geht ein zweigestufter Bewerbung- und Auswahlprozess voraus. Die Kommunen müssen in einem umfangreichen Fragenkatalog darlegen ob es politische Beschlüsse zum Thema Radverkehr gibt, ein Radverkehrsplan aufgestellt wurde und welcher Etat für die Förderung des Radverkehrs zur Verfügung steht. Es muss dargelegt werden, welche Maßnahmen in der Infrastruktur ergriffen wurden und mit welchen Kommunikationsmethoden die Bevölkerung an den Radverkehr herangeführt wird. Natürlich wird auch der Radverkehrsanteil am Modal-Split abgefragt. Erst wenn in dieser ersten Stufe die Auswertung des Fragebogens nach einer vorher festgelegten Bewertungsmethode den Mindespunktesatz überschreitet, bereist eine Jury aus Vertretern des Landes, der im Landtag vertretenen Parteien, der Verkehrsverbände und dem AGFK die Kommune. In diesen Ortsterminen kann die Kommune ihre Arbeit zum Thema Radverkehr in einer Präsentation und bei einer Rundfahrt per Rad darstellen. D.h. dass die Jurymitglieder den Alltagsverkehr und die Radinfrastruktur selbst erleben. Dabei schlägt die Kommune eine Route vor. Vertreter der AGFK sind in der Regel aber schon vorher unbegleitet in der Stadt und prüfen, ob nicht nur die High-Lights gezeigt werden.

Diesen Prozeß hat die Stadt unter großem Engagement der Radverkehrsbeauftragten und der Mitarbeiter des Planungsamtes durchlaufen und wurde zertifiziert. Die Jury hat hervorgehoben, das die Stadt Osnabrück, die in den 70er Jahren noch als autogerechte Stadt galt, große Anstrengungen unternommen hat den Radverkehr zu fördern und jetzt einen Anteil von 23% Radverkehr an den Wegen in der Stadt vorweisen kann. Um so erstaunlicher war es, das in Kommentaren zu Zeitungsartikeln und sozialen Netzwerken diese Zertifizierung kritisiert bzw. diskreditiert wurde. Die Kommentare weisen einen enormen Anteil von Unkenntnis aus und zeigen, das viele der Kommentatoren anscheinend sich weder mit der Materie auseinandergesetzt haben noch außerhalb der Stadt Osnabrück Fahrrad fahren. Wenn man weiß, dass der Bundesdurchschnitt des Radverkehrs seit Jahren bei 10% stagniert und das die Spitzenkommunen in Deutschland bei etwa 40% landen, so ist der Osnabrücker Anteil mit 23% durchaus positiv darstellbar.  Bevor man etwas kommentiert, sollte man sich über die Ziele und Rahmenbedingungen informieren. Maßstab für die Zertifizierung sind nicht die Leuchttürme wie Kopenhagen oder Groningen sondern niedersächsische oder deutsche Städte. Ziel ist es mit der Auszeichnung eine Kombination aus Anerkennung und Ansporn für die weitere Arbeit auszusprechen.

Unfallzahlen von Unfällen mit Radfahrern können nicht das alleinige Kriterium sein. Vision Zero in den Unfallstatistiken ist bisher von keiner deutschen Stadt erreicht.

Die Jury hat in der Vergleichsbetrachtung erkannt und dies auch in der Beurteilung hervorgehoben, das eine Stadt mit langer Fahrradtradition es durchaus leichter hat seinen Radverkehrsanteil zu steigern, als eine Stadt in der lange Zeit das Auto als das ausschließliche Mobilitätsmittel galt (und bei vielen in Osnabrück immer noch gilt). Übrigens: auch bei den Modal-Split-Werten muss man über den Tellerrand schauen. Wer nur den Radverkehrsanteil vergleicht, kommt manchmal zu falschen Schlüssen: Liegt die Fahrradstadt Oldenburg beim Radverkehrsanteil mit 40% deutlich vor Osnabrück (23%), sieht das Bild bei der Kombination der beiden umweltfreundlichsten Anteile Fuß- und Radverkehr zusammengenommen schon ganz anders aus. Osnabrück holt bei diesem Vergleich durch den sehr geringen Fußgängeranteil Oldenburgs deutlich auf (OL 48%, OS 43%).

Schade, dass ein Teil der Osnabrücker Fahrradbegeisterten nichts besser können, als die eigenen Erfolge schlecht zu reden. Man sollte dabei im Blick haben, dass auch die überzeugtesten Streiter für bessere Infrastruktur und mehr Radverkehr irgendwann einfach keine Lust mehr haben bei dieser „Miesepetrigkeit“ einiger, aber lautstark plärrender Nörgler die Arbeit gegen den politischen Gegenwind der Autolobbyisten fortzusetzen.

 

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