Goldsprint

Als ich vor ein paar Jahren begann mich intensiver für Fahrräder und Komponenten zu interessieren, kam bald die Idee auf, ein Rad selbst aufzubauen. Ich fand es faszinierend nach Rahmen- und Komponentenherstellern zu suchen, der Fantasie freien Lauf zu lassen und im Kopf die einzelnen Bauteile zusammenzufügen.

Während ich bei den Rennrädern, die inzwischen überwiegend meine kleine Sammlung darstellen, möglichst auf Originalität bzw. Komponenten aus der Zeit achte, bot sich hier die Möglichkeit frei zu kombinieren.

Immer wieder habe ich im Internet recherchiert. Komponenten wurden verworfen, wieder in den Focus genommen, ließen sich dann jedoch nicht mit Rahmen oder Rädern kombinieren.

Der Rahmen gibt durch die Rahmengeometrie den Stil vor. Durch mein Faible für englische Räder , habe ich eine Zeitlang die Seiten der Rahmenbauer von der Insel gescannt.  Namen wie Brother oder Temple-Cycles tauchten auf aber auch Rahmenbauer wie Hallet oder Rowan Frameworks waren kurzeitig im Blickfeld. Auch deutsche Marken wie Pure Bros., 8bar oder gar die Australier Flying Machines wurden eine Zeitlang von mir favorisiert. Als ich auf der Berliner Fahrradschau zum ersten mal die Räder von Mika Amaro gesehen habe war ich kurzeitig versucht die Idee des komplimentierens zu verlassen. Bei einem Besuch in Kopenhagen vielen mir die Konstruktionen von Cykel Mageren ins Auge. Sein Meisterstück zog dann im Folgejahr in Berlin auf der Fahrradschau auch die Blicke auf sich. Nahezu durchgängig war das Rad umlagert. Männer knieten nieder um sich von den Details begeistern zu lassen.

Letztendlich gab es zwei limitierende Faktoren: klassische Muffen und der Preis. Mir war es wichtig, nicht durch hohe Rahmenkosten bei den weiteren Komponenten sparen zu müssen. Also blieben nur die Rahmen in der Auswahl, die ihre Geometrie an Track Frames anlehnen und mit klassischen, möglichst verchromten Muffen arbeiten. Beim Berliner Label Goldsprint wurde ich fündig. Der Pistarahmen mit klassischen verchromten Muffen blieb letztendlich über und bildete nun die Basis. Da ich mir schon seit längerem Moustache-Lenker angesehen hatte, viel es mir nicht schwer, beim Besuch bei den Jungs von Goldsprint gleich einen Soma-Lenker in Moustacheform mitzunehmen. Nun wollte ich mir nicht gleich beim ersten Rahmen ein Einpresswerkzeug zulegen. So ließ ich in Berlin einen Steuersatz von Velo-Orange einpressen und auch das Tretlager einbauen.

Da stand er nun in meiner Wohnung, der Pistarahmen in Nachtblau mit dem Soma-Lenker. Wie konnte es weitergehen. Die Entscheidung für die Sattelstütze viel zügig auf die Komponenten von Bricklane-Bikes, die schon bei der Rahmenauswahl immer wieder in der engeren Wahl waren. Der BLB Cobra Seatpost in der polierten Ausführung mit den filigranen Fräsungen passte in das Bild, was sich langsam bei mir entwickelte.

Der Sattel sollte von Brooks sein. Damit würde dann auch die Entscheidung für die zweite Farbe festgelegt. Leder war gesetzt. Brooks bietet bei einzelnen Modellen diverse Farben an. Was passt zu Nachtblau? Schwarz ist klassisch aber doch wenig spannend. Braun ist nicht meine Farbe. Dann viel mir die Union-Jack-Serie auf. Brooks hatte 2012 eine Serie von Sätteln in  den drei Farben des Union-Jack herausgebracht: Blau – Weiß – Rot. Diese limiterte Auflage des Swallows wurde zur Feier der Olympischen Spiele in London ins Leben gerufen. Es wurden je 500 Sättel in Rot, Blau und Weiß produziert. Das Gestell des Swallow ist in klassischem Chrom gehalten. Der Swallow verfügt über ein absolut zeitloses Design und ist der Vater aller modernen Racing Sättel – erstmals hergestellt 1937. Die roten und die blauen Modelle werden in einer speziellen ‚Union Jack‘ – Verpackung geliefert, die weißen in einer einzelnen ‚England‘ – BOX.

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Mittlerwweile waren die Sättel schon gesuchte Sammlerstücke, besonders wenn sie noch in der Originalverpackung angeboten wurden. Durch Zufall fand ich ein Exemplar, das ohne Originalkarton angeboten wurde und dieses rückte damit in einen finanzierbaren Bereich. Gleichzeitig bestimmte sich damit die Farbe des Lenkerbandes: Brooks Leather Bar Tape red.

Inzwischen war der Rahmen um einem Kurbelsatz von Goldsprint ergänzt worden. Damit wurde für mich jedoch der Druck größer, dass Rad nun mal auf eigene Räder zu stellen. Schon vor Wochen war ich beim surfen im Internet  auf H plus Son gestoßen. Ein Hersteller wunderschöner Felgen. Das hohe Hohlkammer-Profil der Archetype hat mich sofort angesprochen. Zwar hatte ich inzwischen von einem Bekannten ein Zentrierständer erstanden, doch sollte nun dieses Rad nicht gerade das Testobjekt für meine ersten Einspeichversuche sein. Zu diesem Zeitpunkt stieß ich auf das Rad-Studio Wohltmann.  Schnell kamen wir ins Gespräch und entdeckten Deckungsgleichheit bei unseren Vorlieben der Komponenten. Die schwierigste Frage stellte sich bei den Naben. Hochflansch sollte es sein aber nun von Pauls oder Phil Wood. Die Entscheidung dauerte dann doch ein paar Wochen bis endgültig das Pendel Richtung Phil Wood ausschlug. Axel Wohltmann besorgte die Teile und baute mir hervorragend zentrierte Laufräder. Der Rahmen musste auch noch angepasst werden, die inzwischen erstanden Bremsen von Velo Orange montiert und die Reverse Bremsgriffe von Tektro eingepasst werden.

Und dann war es soweit: die erste Probefahrt konnte gemacht werden. Das Verhältnis von Kettenblatt und Ritzel 48/16, das ich gewählt hatte war beim Antritt erst gewöhnungsbedürftig. Aber wenn es rollt, rollt es super.

Ein Rad, genau wie ich es mir vorgestellt habe und wunderschön beim Fahren, aber fast zu Schade dazu.

 

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