Fahrradfahren

Johann Günther König

Fahrradfahren

Frei nach Heinz Erhardt: Noch’n Buch zum 200. Geburtstag des Fahrrades. Es ist aber eben nicht nur noch ein Buch zum 200 Geburtstag des Fahrrads sondern eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Zweirads von den ersten Laufübungen des Herrn von Drais bis zu den Mobilitätsentwicklungen und –erwartungen des 21. Jahrhunderts. König, Sozialpädagoge und Dr. phil, setzt sich intensiv mit der Entwicklung des Fahrrades und seiner Bedeutung in den zwei Jahrhunderten auseinander.

Durch intensive Seitenbetrachtungen auf gesellschaftliche Entwicklungen und die politische Bedeutung des Verkehrs gelingt ihm durchaus ein anderer Blick auf die Geschichte des Rades. Bei dieser Gelegenheit räumt er auch gleich mit Interpretationen anderer Autoren zum Thema der Bedeutung des Fahrrads für die Emanzipation der Frau und die Ahnenschaft des Fahrrads für das Automobil auf. Insbesondere die Exkurse in die Geschichte der Stadt und die zahlreichen Zitate machen den Leser neugierig auf tiefere Einblicke in die von König zur Belegung seiner Thesen ausgewählte Literatur. Die Schlüssigkeit und Heraushebung des Fahrrads für die Mobilität der Gesellschaft im „Zeitalter der vernetzten Mobilität“ lies mich zweifeln an der Einsicht unserer Gesellschaft über den notwendigen Weg einer neuen Mobilität zur Lösung der Umwelt- und Mobilitätsprobleme. Die Kapitel „Radfahren mit politischem Rückenwind“ und die schon erwähnte „Zweiradtour ins Zeitalter der vernetzten Mobilität“ bieten eine fundierte Basis zum Weiterforschen. Erschreckend nur, wie weitreichend die Erkenntnisse in den Papieren von EU und Bund seit Jahren teilweise schon sind und wie wenig „Handlung“ auf der ausführenden Ebene der Kommunen oftmals ankommt. Hat schon der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe bereits 2005 einstimmig beschlossen, dass die Steigerung des Radverkehrsanteils bis 2015 von 16 auf 23% „zu Lasten des Kfz-Verkehrs“ zu erreichen ist, so darf 12 Jahre später die Feststellung, dass eine weitere Steigerung des Radverkehrsanteils nur zu Lasten des MIV umzusetzen ist, in Städten wie Osnabrück nicht einmal ausgesprochen werden.

Lediglich das Kapitel „Bauteile, Zubehör und Problemlösungen“ hätte Johann-Günther König sich besser sparen sollen. Für den Fahrradfreak ist es zu oberflächlich und den reinen Fahrradnutzer, der sein Rad fürs Nachziehen jeder Schraube in die Werkstatt bringt, reicht die Tiefe nicht aus um technisches Wissen zu heucheln.

Lesenswert für den Gesamtüberblick über die Sozialgeschichte des Rades und seiner Nutzer und als neue Positionierung für diejenigen, die schon die einschlägigen Bücher zum Thema verschlungen hat.

Der Autor Johann Günther König, 1952 geboren, lebt und arbeitet in Bremen. Er schreibt Bücher zu Wirtschaftsthemen im doppelten Sinn, von Finanzkriminalität über Börse bis zu Pubs in London und Irland. Nach „Zu Fuß“ einer Geschichte des Gehens nun 2017 Fahrradfahren.

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