Kaffeehausgespräche

Ich sitze in meinem Lieblingscafe, neben mir der Dalmatiner der beiden Damen vom Nachbartisch. Das Cafe füllt sich, der Dalmatiner langweilt sich.

Eigentlich hatte ich mir ein Buch mitgenommen um ein Gespräch in der nächsten Woche vorzubereiten. „Volk ohne Wagen“ eine Streitschrift für eine neue Mobilität von Stephan Rammler.

Aber ich komme nicht dazu. Kennen Sie das auch, dass die Stimme einer einzelnen Person ein ganzes Lokal füllen kann? Darüber hinaus scheint das Dalmatinerfrauchen mich zu kennen und spricht besonders laut. Es geht – passend zu Buch – um Verkehr. Ein Verkehtsthema nach dem nächsten wird durchgehechelt und die Stimmhöhe nimmt von Empörung zu Empörung zu. Da ist die fürchterliche Verkehrsführung im Gründerzeitwohnquartier. Da muss man einen Umweg fahren, wenn man von einer Straße in die Nachbarstrasse will. Der an Neuer Mobilität Interessierte kennt es als Verkehrsberuhigung und die Stadt Groningen praktiziert es seit Jahren um die Bewohner daran zu erinnern, das man kurze Wege zu Fuß oder mit dem Rad schneller zurücklegen kann. Nicht so meine beiden Nachbarinnen. Die Goldlocken werden geschüttelt um das Unverständnis über eine solch bürgerfeindliche Planung zu unterstützen. Sie erinnern sich, Bürger sind die Menschen, die auf vier Rädern unterwegs sind. „Da muss man ja an der Kreuzung abbiegen obwohl es verboten ist. Und dann stellen die da noch extra einen Pfahl hin. Neulich hat sich S. die ganze Tür verschrammt.“ Ja, Verbotszeichen sind eben nur eine Schikane der Verkehrsplaner in Verbindung mit dem Karrosserie-und Lackiererhandwerk. Aber schon gehts zur nächsten Schikane der Verkehrsplaner, den Berliner Kissen in einem Wohngebiet.  Diese Verkehrsberuhigungsmaßnahme in der Tempo-30-Zone war in einem aufwendigen Workshop mit den Anwohnern des ganzen Quatiers, den Verbänden und Unternehmen ausgearbeitet worden. Den Nachbarinnen meiner Mittagspause gehen diese drastischen Maßnahmen zuweit. „Die  (Planer) müssen doch wissen, wie laut das ist, wenn die Autofahrer zu schnell darüber fahren.“ Stimmt, haben wir nicht dran gedacht, das es ja naiv ist, daran zu glauben, Autofahrer könnten sich an die vorgegebene Geschwindigkeit halten. Hier wird halt mit dem Gasfuss abgestimmt. Aber schon geht es weiter. Der zentrale Platz, der vor einem halben Jahr für den motorisierten Individualverkehr gesperrt wurde. „Wieder so eine Fehlplanung und jetzt wollen sie(die Planer) auch noch ein Einkaufszentrum an den Platz bauen. Wer soll denn da einkaufen, wenn man dort nicht mit dem Auto hinkommt“ Sorry, ich vergaß, nur Autofahrer sind gute Kunden. Auch die Centermanager haben das anscheinend noch nicht begriffen. Sie haben sich eindeutig und öffentlich für die Sperrung des Platzes ausgesprochen.

Der Dalmatiner hat inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass Frauchen bald mit ihm wieder auf die Straße geht und wenn es nur bis zum Parkhaus ist. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, in meinem Buch weiterlesen zu können und schreibe lieber an meinem Blog. Den Bericht über Stephan Rammlers Buch „Volk ohne Wagen“  werde ich dann später schreiben. Oder Sie lesen das Buch schon mal selber. Ich bin gerade an der Stelle, wo die allmorgentliche Situation der sich stauenden „Mammataxis“ vor den Schulen beschrieben wird. Zum Glück brauchen Dalmatiner nicht zur Schule.

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