Cyclingworld Düsseldorf II

Weiter geht’s. Valerie und Valentin sind mit Vello auch vertreten. In prominenter Position im vorderen Teil der Schmiedehalle haben Sie das breite Spektrum von Vello.bike präsentiert. Wer nicht elektrisch fahren mag, kann auch die unterschiedlichen Schaltvarianten ausprobieren.

In der gleichen Achse finde ich Faggin, eine der klassischen Italiener. Mein Faggin aus den frühen 80ern ist nicht nur ein Hingucker aus Stahl, sondern es ist auch eines der Räder in meiner Sammlung, die am besten laufen. Aus irgendeinem Grund hatte ich mich bisher kaum mit der Marke aus Padua beschäftigt.

Somit war ich etwas überrascht zu hören, dass die Firma kein Relaunch einer Marke ist, wie man es im Fahrradbereich leider häufiger feststellt, sondern seit 70 Jahren im Familienbesitz ist. Nachdem mir Hans-Joachim Bohnen, der Deutschlandvertreter einiges zur Firmengeschichte erzählt hatte, konnte ich noch kurz mit dem Inhaber und dem Juniorchef sprechen. Aus dem einstigen Hersteller, der die Räder in mittlegroßen Serien vertrieb ist eine Manufaktur des Rahmenbaus geworden. Christina Faggin, die Tochter des Firmengründers und Radrennfahrers Marcello Faggin hat den Job von der Pieke auf gelernt und lötet die Rahmen persönlich. Sie führt mit ihrem Mann Massimo das Unternehmen Faggin Bikes. Auf dem Stand sind einige schöne Rahmen und Räder zu sehen. In perfekter Lackierung mit polierten Muffen, ob in klassischem Blau mit creme-weißem Steuerrohr oder in Cromovelato-Orangerot, die Rahmen zeigen Rahmenbau vom Feinsten. Bei dem Chromovelato-Finish wird ein transparenter Lack über dem vollverchromten Rahmen aufgebracht und erreicht damit eine besondere Leuchtkraft. „Wenn Du in Padua bist, schau vorbei“ ist sicher für einen Fahrradfan eine der schönsten Verabschiedungsformeln. Zwischendurch schau ich schon mal, wie ich meiner Frau einen Urlaub in der Provinz Padua schmackhaft machen kann.

 

Upcycling ist das Thema von Up Cycles Wunschrad. Aus gebrauchten Rahmen und Bauteilen fertigen sie ein Rad, das ganz auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten ist. Die Rahmen werden neu lackiert und aber auch gelabelt, so dass für den Sammler damit auch einiges an Radgeschichte verloren geht.

Zwischendurch kommen wir an einem Stand vorbei, der Kartenspiele mit Radmotiven verkauft. Allerdings sind nicht einfach Fotos verarbeitet, sondern die Fahrerinnen und Fahrer sind in einem eigenen Stil grafisch dargestellt. Der besondere Clou ist, dass man sich selbst in den illustren Kreis von Tour de France oder Giro-Fahrerinnen einreihen kann und die Mittspieler überrascht sein werden ihr gegenüber zwischen Bernhard Hinault und Nairo Quintana zu finden.

Edel aber kühl: die Räder von van Nicholas aus Titan. Der Stand nimmt einen durch seinen Aufbau hinaus aus dem Gemenge der Messe und gibt die Ruhe, die die fein verarbeiteten Rahmen und Komponenten zur Beurteilung brauchen. So langsam wird unser Zeitplan knapp. Es fehlen noch das Außengelände und die Kaltstahlhalle. Somit bleibt nur, die eigenen Interessen noch stärker zu fokussieren. Am Übergang zur Kaltstahlhalle hält uns das T-shirt und Hoodie-Programm von Greenbomb auf. Grafisch gut gemachte Motive lassen uns länger an den Kleiderstangen verweilen und ich bin versucht von meinem Grundsatz‚ ein T-shirt pro Messe/Laden abzuweichen. Das die Produkte auch noch fair + organic hergestellt werden, macht sie umso interessanter.

Das Freigelände ist bei dem strahlenden Frühlingstag eigentlich zu verführerisch. Allerdings sind hier vornehmlich die großen Handelsketten vertreten. Darüber hinaus haben einige Marken, die wir schon gesehen haben, hier einen zweiten Stand aufgemacht um die Räder gleich für den Testparcour zur Verfügung zu stellen. Überhaupt bleiben heute Teststrecke und das umfangreiche Beiprogramm außen vor, da die Zeit nicht reicht. Um das Fazit der Veranstaltung teilweise schon vorweg zu nehmen: im nächsten Jahr muss ein ganzer Tag eingeplant werden.

In der Kaltstahlhalle verweilen wir noch bei drei sehr unterschiedlichen Ständen. Den Namen Louison Bobet, des dreimaligen französischen Tour de France-Siegers ziert nun ein Bekleidungslabel für Rad(sport)fans. Fallen die T-shirts und Kappen „nur“ durch gute Verarbeitung auf, lohnen die Jerseys und Poloshirts der genaueren Betrachtung wegen der raffinierten Details. So z.B. verbergen sich unterhalb des Kragens gelochte Bereiche zur Zirkulation, das Material ist zum Teil aus Merino und weist auch hier eine hervorragende Verarbeitung auf. Die sorgsam gewählten Farben und zurückhaltenden Kombinationen zielen auf ein Klientel, dass es nicht nötig hat, mit Blockbuchstaben auf Brust oder Rücken das Preisschild zu ersetzen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Bobet-Logo recht zurückhaltend und Ton-in-Ton eigestickt ist.

Der Hingucker ist jedoch ein Wettermantel in grau mit ratinierten Details. Mittels zweier Reisverschluss entwickelt sich aus dem schicken Stadtmantel für Fahrradfahrer ein Regen-Cape, das man dann auch über den Lenker ziehen kann und dessen geschickt angeordneten Durchgriffe sicheren Halt am Lenker bieten.

CWD-032Wie geht ein Tandem in den Koffer? Santana-Tandems zeigt es auf seinem Stand. Das Label aus Kalifornien hat sich dem Tandem verschrieben und für die reiselustigen Tandemisten Stecklösungen entwickelt, die so sauber gearbeitet sind, dass ich bei den verschiedenen Modell schon genau darauf hingewiesen werden muss. Das Tandem nicht Fahrrad für zwei bedeuten muss, zeigt das Programm, das auch Räder für die ganze Familie mit bis zu 5 Personen aufweist.

Ganz hinten rechts finden wir die Fahrradschmiede Nice Bikes von Pieth und Robert. Sie hatten wohl die kürzeste Anreise, da ihr Fahrradladen sich auf dem Gelände des Areals Böhler befindet. Einige schöne alte Räder vom Stadtrad über den Renner der Fa. Wanderer bis zum Klapprad haben die beiden mitgebracht und zeigen gleich, dass bei ihrer Arbeit die Patina sichtbar bleibt. Ein Rad was seit den dreißiger Jahren genutzt wurde, hat selbst bei dem sorgsamsten Fahrer einige Gebrauchsspuren zu zeigen. Und wenn es keine gibt, sollte man skeptisch sein. Es könnte darauf hindeuten, dass das Rad nichts taugt und seit Omas Zeiten nur im Schuppen stand. Wir verabschieden uns auch hier nicht ohne einen Besuch in der Werkstatt zu vereinbaren.

Fazit: Die Cyclingworld vereint ein breites Spektrum von der Manufaktur über Großserienhersteller bis zu Handelsketten. Solange dieses Verhältnis ausgewogen bleibt, profitieren nach meiner Meinung nicht nur die kleinen Labels und Zubehörfirmen davon, da die Vielfalt eben ein breites Besucherprofil anzieht. Die Aufgabe der nächsten Jahre wird sein, diese Ausgewogenheit zu halten und nicht der Versuchung zu unterliegen, bei steigenden Besucherzahlen die Standpreise nach oben zu korrigieren, so dass die kleinen Labels wegbrechen. Dann würde sich die Cycklingworld zu einer Durchschnitts-Fahrradmesse in einer Großstadt entwickeln, zu der keine Bahnfahrt lohnt. Ambiente und derzeitige Mischung haben das Zeug dazu, den Radbegeisterten unterschiedlicher Genres einen Muss-Termin im Westen zu bieten. Eine Blogger-Lounge für die Szene wäre ein gutes Add-on für 2019.

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