Zufallsfund Teutonia Rad

Auf der Autobahn A1 in der Nähe der Ausfahrt Lohne/Dinklage fuhr ich schon mehrfach an einer „Touristischen Unterrichtungstafel“, so der offizielle Name dieser braunen Tafeln, die auf besondere touristische Sehenswürdigkeiten und Orte hinweisen, mit dem Titel „Industriemuseum Lohne“ vorbei. Kann ich mir in Skandinavien sehr sicher sein, dass hinter jedem Schild ein besonderer Ort steckt, so bin ich bei uns in Deutschland doch schon das ein oder andere Mal enttäuscht worden. Also blieb auch der Abstecher nach Lohne ein geplanter Abstecher für die Zukunft.

Heute jedoch fuhren wir bei schönstem Spätsommer- oder Frühherbstwetter über die Landstraße und kamen durch Lohne. Nun war er also an der Reihe, der Abstecher ins Industriemuseum – und wir wurden positiv überrascht. Die Stadt hat sich Ende der 90er Jahre des letzten Jahrtausends ein modernes Museumsgebäude im industriellen Look gegönnt. Das Industriemuseum ging auf eine Initiative des damaligen Bürgermeisters Helmut Göttke-Krogmann 1987 zurück, der ein erstes Museum in einer ehemaligen Schule untergebrachte. 2000 konnte dann der Museumsneubau eröffnet werden und wird seither von einer Stiftung betreut und finanziert.

Die Industriegeschichte der Stadt war über die letzten Jahrhunderte durchaus wechselvoll. Von Schreibfedern über Tabakindustrie und Korkenherstellung zu Maschienenbau und Verpackungsindustrie. Ein breites Spektrum liebevoll und ausführlich dargestellt.

Zwischen diesen Exponaten dann die ersten Fahrradrahmen. Otto Meyer aus Lohne gründete 1951 ein Unternehmen für Fahrzeug und Gerätebau. Dort wurden auch Fahrradrahmen für seinen Bruder Engelbert Meyer in Sevelten i.O. hergestellt. Dieser betrieb dort eine Fahrradproduktion und vertrieb die beiden Marken Emsold und Rekordia. Die Firma Engelbert Meyer gibt es bis heute und sie blickt somit auf eine lange Tradition zurück. Der Name Rekordia wird laut Internetseite übrigens noch heute geführt.

Weiter geht es durch interessante Abteilungen über die Herstellung von Korken und Pinseln, vorbei am Fuldamobil, dass auch für kurze Zeit in Lohne produziert wurde. Die rund 700 Fuldamobile konnten dann doch nicht dafür sorgen, das Lohne sich in die Reihe der TOP 10 der Automobilstädte einreihte. Zwar kannte ich das Fuldamobil, aber das es eine Zeit hier in Lohne produziert wurde, war auch für mich neu.

Dann ganz leger an eine Fachwerkwand gelehnt, steht plötzlich ein altes Rad. Kein Produkt der Zusammenarbeit der Brüder Meyer, sondern ein nahezu ladenneues Exemplar in edlem schwarz mit Stempelbremse und verchromtem Lenker.

IndustrieMuseumLohne010Hinten fällt die Aufstiegshilfe auf und läßt auf den fehlenden Freilauf schließen. An Rahmen und Felgen sind feine Linierungen aufgebracht. Der Rahmen ist muffenlos geschweißt und das Steuerkopfschild weißt es als Teutonia von Johann Rümker aus Osnabrück aus. Seit ich den Papperitz habe bin ich auf der Suche nach Rädern aus meiner Heimatstadt. Ich habe schon einige Exemplare von HGO oder anderen aus den 50er gesichtet. Ein Heigo hat ein früherer Mieter bei mir im Keller vergessen. Aber hier entdecke ich das erste Teutonia.

Johannes Rümker fimiert 1938 im Adressbuch unter Fahrradhandlung und Zubehörteile. In Frank Papperitz Handbuch deutscher Fahrradmarken wird Teutonia ab 1938 geführt. Aufgrund der Aufstiegshilfe und des muffenlos geschweisten Rahmens sowie des an der Gabel endenden vorderen Schutzblechs mit der freien Stempelbremse hätte ich das Rad deutlich älter eingeschätzt.

Sicher bringt die Diskussion unter den Experten Licht ins Dunkel. Im Internet ist jedenfalls über Johann Rümker und seine Teutonia-Fahrräder nichts zu finden. Aber das macht dieses Rad ja gerade erst interessant. Vielleicht trägt das Archiv des Museums dazu bei, die Historie dieses Rades zu erhellen.

Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt und er lohnt sich auch für jeden nicht Fahrradbegeisterten, der hier in vielen Details vielleicht Erinnerungen und Verbindungen zur eigenen Geschichte findet. Ach ja, dann gibts natürlich noch eine stilecht eingerichtete Kneipe als Museumstafel, dessen Besuch wir uns für das nächste Mal aufsparen.

 

Industriemuseum Lohne

Küstermeyerstrasse 20
49393 Lohne

 

Öffnungszeiten:

Dienstags – Sonntags  von 14 – 18 Uhr.
Donnerstags bis 20 Uhr

 

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