My Projects #02: Brian Rourke

An den Wänden und im Fahrradkeller hängen diverse Rahmen. Sie sind Projekte, warten auf den Aufbau. Leider werden immer mehr Räder von den Verkäufern in Einzelteile zerlegt und auf den verschiedenen Plattformen, Börsen und Internetseiten verkauft. Sammler suchen dann die Teile wieder zusammen, bezahlen ein Vielfaches des Komplettrades und bauen es neu auf in der Hoffnung, dass sie dem Originalzustand möglichst nahekommen. Verloren geht ein Stück Zeitgeschichte, da man oftmals nicht weiß, mit welchen Komponenten das Rad ausgestattet war. Kann man sich bei größeren Herstellern noch Prospektbeschreibungen und Fotos orientieren ist man bei Rahmenbauern auf Vermutungen angewiesen.

Dieses Brian Rourke viel mir zuerst aus zwei Gründen auf: der Farbe und dem Rohrsatz. Um mehr Struktur in meine Sammlung zu bringen, habe ich mich entschlossen, nur noch Räder aus Großbritannien zu sammeln. Die weitere Einschränkung auf Reynolds Tubes ist eigentlich keine, da die überwiegende Anzahl der Hersteller und Rahmenbauer bei Stahlrahmenbau bis in die 80er Jahre auf der Insel Reynolds verwenden. Mein Raleigh Elan ist aus Reynolds 501 alle weiteren Engländer in der Sammlung wurden jedoch schon aus 531er Rohren gefertigt. Der 501er Rohrsatz bildete lange Zeit den Standard für Mittelklasse Rennräder. 531 ist eine höherwertige Legierung, die höhere Festigkeiten aufweist und damit dünnere Wandstärken ermöglicht. 531 wurde bereits 1935 von Reynolds auf den Markt gebracht. Zwischen 1958 und 1991 dominierten Räder aus 531er Rohrsätzen die Tour den France. Reynolds Rohre wurden in dieser Zeit bei den Rädern von 26 Toursiegern benutzt. 

Brian Rourke verwendete für diesen Rahmen einen 531c Rohrsatz. Das „c“ steht für Competition. 531er Rohrsätze werden in unterschiedlichen Wandstärken angeboten, aber dazu an anderer Stelle vielleicht mehr.

Auffällig war dann ja noch die Farbe. Der Rahmen kommt in einem kräftigen Violett mit Metallic-Effect daher und zeigt weiße Linierungen auf. Dazu der kräftige weiße „Brian Rourke“ Schriftzug auf Unter- und Sattelrohr. Nun bin ich absolut kein Fußballfan aber diese Farbkombination passt zum örtlichen Profiklub. Da ich beruflich ab- und zu mit dem Verein zu tun habe, wäre es natürlich schon ein netter Geck zum nächsten Termin mit einem Rad in Vereinsfarben vorzufahren. Also nach einigen Wochen des um die Anzeige Herumschleichens habe ich ihn gekauft. 

Vielleicht noch ein kleiner Exkurs zum Thema Brexit. Britische Räder zu sammeln war schon immer etwas Besonderes und ist nun durch Einfuhrumsatzsteuer und Zoll auch noch etwas teurer geworden. Aber es war ja schon immer etwas teurer …

Brian Rourke hat selbst Straßen- und Moutainbike-Rennen bestritten, einschließlich 25 Jahre Erfahrung in Nationalen Straßen- und Bahnwettbewerben. Er erlangte fünf Veteranen-Straßen-Titel und führ 3-mal das Britische Milk-Race. Seit 1972 baut er Rahmen nach den Spezifikationen des Kunden. 

Auf der Seite von Rourke-Handbuilt-Cycles heißt es: „Rourke-Rahmen wurden benutzt, um zahlreiche Profi- und Amateurtitel sowie nationale Titel zu gewinnen, darunter neun Best British All-Rounder-Wettbewerbe und drei nationale Cyclo-Cross-Siege. Im Jahr 2000 wurde Nicole Cooke mit einem Brian Rourke Frameset Weltmeisterin im Junior Road Race. Die Rahmenbauphilosophie von Brian Rourke ist einfach „Wenn Füße, Hände und Po am richtigen Platz sind, auf einem gut ausbalancierten Fahrrad und wenn du es genug willst, wirst du Erfolg haben“!“

Guy Martin, der britische Radrennfahrer bezeichnet in seiner Autobiografie Brian Rourke als den Bradley Wiggins der 70er Jahre. Mittlerweile ist ihm sein Sohn Jason gefolgt der als Meister des Rahmenbaus gilt. Er war es auch der Guy für dessen Rekordversuch den Rahmen baute. 

Mein Rahmen hat die Rahmennummer 1306 und ist wie schon gesagt aus 531c Rohren gebaut. Die Sitzrohrlänge von 540 mm und die Oberrohrlänge von 555 mm sind für mich bequem. Rahmen und Gabel wiegen knapp 1900 g. Sicher würde Brian für mich zu anderen Spezifikationen kommen. Die Besonderheit der Rourkies ist das um das Sattelrohr herumlaufende Ende der Sattelstreben. Ein Markenzeichen, dass Jason von seinem Vater übernommen hat. Der Rahmen müsste aus 1983/84 stammen soweit die Berichte und Datierungen aus den verschiedenen Foren es zuläßt. Eine Anfrage bei Jason Rourke blieb bisher leider noch unbeantwortet, aber vielleicht bekomme ich ja noch etwas mehr heraus. Eine Besonderheit ist, dass der damalige Kunde sich nur für ein vorderes Kettenblatt und damit einen Sockel für Unterrohrschalthebel entschied. Ein Hinweis auf die Funktion als Time-trial-bike?

Ein Rourke-Rahmen taucht auch in dem Buch von Robert Penn auf. Penn beschreibt in „Traumrad – Auf der Suche nach dem besten Fahrrad der Welt“ wie er sich sein „Traumrad zusammenstellt und vor allem um die halbe Welt reist um die Komponenten gleich beim Hersteller abzuholen. Die BBC hat die Reise verfilmt und es macht Spaß (und Sehnsucht) Penn auf seiner Reise zu begleiten. Seinen Rahmen lässt er sich von Jason Rourke bauen nachdem Brian ihn ausgiebig betrachtet und vermessen hat. Eine nette Anekdote am Rande: als Jason und Robert die Farbe für den Rahmen aussuchen stoßen Sie auf eine Dose mit Lack in Purple. Jason sagt dazu, damit habe er mal vor zwanzig Jahren einen Rahmen lackiert. Sollten es nicht doch vielleicht 30 Jahre und das mein Rahmen gewesen sein?

Summary:

A Brian Rourke-Frame on the Internet catch my eye because of the 531c tubes and the strong violet. It fits into my collection of british cycles made from Reynolds tubing. Brian Rourke was a cyclist himself and has won numerous titles. Among others he drove the milk race. He has been building custom-made frames since 1972. In the meantime, his son Jason has taken over the frame production. Famous cyclists have achieved numerous victories with his frames. My frame has the frame number 1306 and could be from 1983/84. It has the typical shape of the seat stays on the seat tube and the specialty of only having one base for the down tube gear lever. Designed in a strong violet with white lines, it immediately fascinated me. Robert Penn describes in his book “It’s all about the bike” how he has his frame built by Jason Rourke. Penn’s search for the dream bike was also filmed. At the end of the film, Rourke and Penn are looking for the right color and come across a paint pot with purple varnish. Should that be the color of my frame?

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