Elektro-Falter

Ich bin ja ein Fan des Faltens im Allgemeinen und meines Brompton im Besonderen. Durch meine Testtage mit dem Vello-Bike+ in Wien war ich schon ein wenig schwach geworden. Aber bisher konnte ich mich noch nicht zu einer Schubunterstützung bei (m)einem Reisebegleiter entschließen.
Nun kommt das neue Cycle, Heft 1/2019 mit einem Vergleichstest für E-Bikes zum Falten.
Verglichen werden
BBF Monaco
Tern Vektron S 10
Brompton Electric und
Vello-Bike +

Vier sehr unterschiedliche Typen, die sich da zur Mitnahme anbieten. BBF und Tern kommen schon mal mit einem anderen Grundmaterial daher. Während Brompton und Vello aus bewährtem Stahl gefertigt sind, ziehen diese beiden Aluminium vor. Das Alu oder Stahl nicht zur grundsätzlichen Aussage über das Gesamtgewicht taugen, zeigen, dass das Leichtgewicht Vello-Bike+ mit seinen 13,9 Kg und der Alu-Falter von Tern mit 22,1 kg von der Waage rollen. Es wird deutlich, dass Umfang und Konzept des E-Antriebes gerade bei Faltern den höheren Anteil am Gesamtgewicht ausmachen und nicht die Wahl des Rahmenmaterials. Dennoch ist gerade die Gewichtsfrage bei einem Faltrad, zumindest für mich, das entscheidende Kriterium. Schließlich möchte ich nicht wieder zurück in die 70-er Jahre fallen, in denen die Klappräder nur dazu dienten im Kofferraum des Autos verstaut zu werden um kurz vor dem Ausflugslokal dann noch das Sahnehäubcher von der Schwarzwälderkirsch abzutrainieren.
Die Falträder dienen mir als wichtiger Baustein in meiner Mobilitätskette. Von der Wohnung zum Bahnhof, die Treppen rauf oder runter zum Bahnsteig ohne am Fahrstuhl hinter den Herschaften mit den Schrankkoffern anzustehen und ab in den Zug. Am Zielort vielleicht ein Stück wieder fahren, einen Teil dann doch mit der U-Bahn und dann wieder durch den Park und das Gründerzeitviertel zum Ziel. Und dass bei den häufigen Wechseln mit 22 Kg Handgepäck, meinen Rucksack fürs Wochenende noch nicht mitgerechnet? Kaum ein Reiz. Das Design des Tern wird von den Cycle-redakteuren als Hingucker für die Freunde des technischen Looks beschrieben. Ich würde es eher als unaufgeräumt bezeichnen und die deutlich sichtbaren Schweißnähte und kräftigen Scharniere rufen bei mir keine Detailfaszination hervor. Wenn dann noch beschrieben wird, dass man das Falten erst lernen muss, kann auch der 400 W-Akku nicht mehr Punkten. Schließlich muss der Motor ja nicht nur das Bike sondern idealerweise auch mich noch vorwärts bringen. Das Tern kann also meinem muskelgetriebenem Brommi nicht gefährlich werden.
Schauen wir uns das zweite Alurad BBF Monaco an. Deutlich aufgeräumter kommt es daher und läßt sich laut der Tester schnell und problemlos falten. Mit 16 kg ist es schon mal einen Braten für eine 6-köpfige Familie leichter aber immer hin 3 Kg schwerer als mein Stahl-Brompton ohne Unterstützung. Wenn das Leergewicht schon zulegt, muss zumindest das Packmaß und Handling überzeugen. Die Tester von Cycle waren es jedoch nicht. Eine sportliche Ausstattung tröstet darüber für den Pendler nicht hinweg. Auch hier scheint die Zielgruppe eher bei dem Wochenendnutzer zu liegen, der sein Ziel zum radeln ohne Umstieg erreicht.
Um den Abschnitt über das Brompton habe ich mich beim Lesen zuerst etwas herumgedrückt. Schließlich möchte man sein Lieblingsprodukt nicht schlecht beschrieben lesen. Die Bromptonmacher haben es sich recht simpel gemacht. Man nehme ein Brompton in bewährter Konstruktion, füge in das Vorderrad einen Nabenmotor ein und nutze den Taschenträgerblock um den als Tasche getarnten Akku anzuhängen. Das Brompton kann also alle Vorteile aus seinem unschlagbaren Faltkonzept mit dem optimalen Packmaß ausspielen ergänzt um die Zugkraft des 250 W-Frontmotors. Mit 16,6 Kg landet das Brompton in der Weight-Watcher-Kategorie zwar nur auf Platz drei der Motor-Falter, übertrifft das BBF jedoch nur um 600 g, die Gewichtsfetischisten sicher durch Bauteiletuning noch abgespeckt bekommen.

Klarer Sieger in der Gewichtsklasse ist das Vello-Bike+. Es überzeugt auch die Tester durch die leichte Stahlkonstruktion und die kompakte Antriebstechnik aus der Motor-/Akku-Kombination des Zehus-Antriebs in der Hinterachse. Punkte verliert das Vello beim Falten wie ich ja bei meinen Testfahrten selber feststellen musste. Für mich sind jedoch die simple Lösung, alle Infos über Ladezustand und Steuerung des Antriebs über das Smartphone zu regeln, das schnelle Falten in die erste Faltstufe für den schnellen Hopp-on auf die Bahn und die kluge Idee durch Rekuperation die Reichweite zu erhöhen Pluspunkte wert. Da das Vello dank des Gewichts von 13,9 kg garnicht erst dazu verführt die elektrische Kraftreserve zu oft zu nutzen, überwiegt der Fahrspaß mit Muskelkraft.
Für mich tauschen Brompton und Vello in der Gesamtwertung gegenüber der Cycle-Bewertung die Plätze.
Da aber jeder sein eigenes Fahr- und Mobilitätsprofil erkennen muß, lohnt es sich sein eigenes Bild durch das Lesen des Testes in dem neuen Cycle zu machen. Das Heft ist wie immer ergänzt um zahlreiche Produktvorstellungen und weiterer Tests. Vielleicht passt das eine oder andere Zubehör ja auch noch auf den Gabentisch.
Mein Brompton braucht zumindest noch keine Trennungsgedanken zu fürchten.

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